Abt.: Honig im Bier
Slack
Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Je fester man sich im Sattel wähnt, desto schmerzhafter ist der Sturz. Und Honig versüßt das Leben.
Vor einiger Zeit habe ich zusammen mit meinem engagierten, wissbegierigen und kritischen Co-Brauer Bernie Maisberger - inspiriert von dem Getränk „Slack“ aus seinem Buch „Eroberer der Sterne“ - ein Honigbier gebraut.
Das Experiment
Ein Experiment. Gut recherchiert, gut durchdacht, guten Mutes sind wir ans Werk gegangen. Ich habe noch nie mit Honig gebraut. Ich war gespannt. Den Brauprozess haben wir routiniert und ohne zu stolpern durchgezogen, bis… ja, bis uns ein Malheur passiert ist. Wir waren überzeugt, dass sich Honig schnell und Problemlos in der fertig gekochten Würze auflösen würde. Und weil Enzyme und wertvolle Stoffe im Honig ab 40 Grad kaputt gehen, haben wir entschieden, den Honig beim Kühlen und eben erst bei 40 Grad hinzuzugeben. Und da hat der Honig gemacht, was ein Honig macht, wenn man ihn in Wasser gibt, er ist stehenden Fußes auf den Grund gesunken, hat den Abfluss des Würzebottichs verstopft und hat keine Anstalten gemacht, sich sich angemessen schnell aufzulösen. Dann wurde es hektisch. Den Honig irgendwie wieder aus dem Sud heraus, den Abfluss wieder frei bekommen den Honig separat in Wasser lösen, die Lösung wieder zum Sud geben, genug Gelegenheit für Schmodder und der Schmodder hat die Gelegenheit genutzt.
Grapefruit oder Sauersaft
Hach der Hauptgärung kommt der Moment, auf den sich der Hobbybrauer voll innerer Spannung hin sehnt. Der erste Schluck des neuen Sudes. Geht er in die richtige Richtung? Lässt sich Gutes erahnen? Ich vermeine eine Honignote erschnuppern zu können.
Trocken, knackig mit Zitrus-, Grapefruitaromen. Oder ist das Bier einfach sauer. Ich will es nicht glauben und doch verfestigt sich die Vermutung von Schluck zu Schluck. Ein PH-Streifen zementiert die traurige Wahrheit, das Bier ist sauer. Ein Tag Arbeit für die Katz. Das schmerzt. Das nagt an der Brauerseele.
Ich habe das Bier trotzdem mit verschiedenen Honigsorten in die Nachgärung gegeben: Thymian Honig, Waldhonig und der Frühlings-/Sommertracht vom Bernie. Das hat das Bier nicht gerettet. Es hat trotzdem zu einem Ergebnis geführt, das uns weiter gebracht, geradezu beflügelt hat. Auf der Zungenspitze spielten die Aromen von Thymian Honig, sowie von Frühlings-/Sommertracht. Der Waldhonig hingegen hat enttäuschend wenig Geschmack ins Bier gebracht. Für mich war klar, das mit dem Honigbier muss ich unbedingt noch einmal mit dem Gelernten und unter Laborbedingungen angehen.
Auf ein Neues
Nun habe ich also daheim in der Küche - mit verbessertem Rezept und voller Elan - einen neuen Honigsud angesetzt. Eben fertig und zum Gären in den Keller gebracht, bin ich schon sehr gespannt, was mich in ein paar Tagen beim Zwickeln erwartet. Ich werde berichten.
Bernie, wir sehen uns.