Abt.: Tourismus

Lisboa 2026

Wenn man irgendwo hin kommt, wo es total schön ist und wenn man dann jemandem erzählt oder gar darüber schreibt, dass es da total schön ist, dann kann es passieren, dass es da bald gar nicht mehr so schön ist. Denn dann wollen alle da hin, wo es total schön ist und wenn alle da sind, dann ist es da eben nicht mehr total schön. Sondern vielleicht nur noch ganz einfach schön oder noch nicht einmal mehr das.

Aber ganz unter uns, wenn ich jetzt nicht über Lissabon schreibe, dann hält das den Wandel kein bisschen auf. Und wenn ihr euch beeilt, dann ist es da auch noch total schön.

Was wir in München so gar nicht haben, das haben sie in Lissabon gleich mehrfach(1): Markthallen. Also überdachte Märkte auf denen es Lebensmittel in Hülle und Fülle gibt. Vielleicht wie auf dem Viktualienmarkt. Nur dass man sich die Lebensmittel dort leisten kann.

So haben wir denn Märkte besucht. Und wir haben uns geärgert, dass wir keine Küche dabei haben, um die feil gebotenen Köstlichkeiten alsbald zubereiten zu können. So haben wir denn auf bereits zubereitete Köstlichkeiten zurück gegriffen. Und deren gibt es viele.

Time Out Market

Mittagessen im Time Out Market. Ein Gedicht. Unzählige Stände bieten Gerichte aus aller Menschen Länder. Natürlich möchte ich in Lissabon keine mexikanischen Wraps essen. Mir steht der Sinn mehr nach portugiesischen Schmankerln. Da kommt es sehr gelegen, dass ein Stand Bacalhau à Gomes de Sá auf der Tageskarte hat. Also Bacalhau mit Zwiebeln, Kartoffeln, gekochten Eiern und Oliven. Garniert mit einer Béchamel ähnlichen Sosse.

Dazu muss man sagen, dass mit Gomes de Sá nicht die Zubereitungsart gemein ist, sondern der Erfinder des Gerichts. Und man muss sagen, dass im Originalrezept weder Kartoffeln, noch Béchamel vor kommen. Das ist aber egal, es schmeckt himmlisch.

Dazu ein Glas Weißwein und man tritt angenehm bedüdelt in die Sonne.

Zum weiteren Bedüdeln geht es einen Markt weiter.

Mercado de Campo de Ourique

Ähnlich wie beim Time Out Market gibt es auch hier einen traditionellen Marktbereich mit Fisch, Meeresfrüchten, Obst, Gemüse und was so ein Markt noch alles braucht. Und einen Gastrobereich, den ich nicht geniessen kann, weil mein Wanst noch reichlich mit Bacalhau gefüllt ist.

Also lasse ich mich nieder und geniesse ein IPA von Lagunitas.

Lagunitas IPA

Ein leckeres IPA, auch wenn die Brauerei zu Heineken gehört. Man bekommt es sowohl in Lissabon als auch in Paris.

Pastel de Nata e Gelato

Ich finde das übertrieben. Da verliert doch beides. Das Pastel wird von Frucht- und Sauernoten überlagert. In meiner Phantasie bleibt nicht viel von dem, was ein Pastel de Nata aus macht. Das Eis? Ist es ein Billig-Eis aus dem Supermarkt, dann kann es natürlich gewinnen. Der billige Geschmack wird durch das edle Pastel aufgewertet. Ist es hingegen ein mit viel Liebe selbst gerührtes Eis, nun dann verliert es im Duell um die Vorherrschaft der Aromen.
...schliesslich wickle ich auch keine Weisswurst in ein paar Scheiben Leberkäse ein.

Der Zug ist abgefahren

Seit es mit der Standseilbahn 2015 einen schlimmen Unfall mit Verletzten und Toten gab, steht die Bahn still.

Eklig

Was ist denn das besondere an dieser Fassade, werdet ihr euch fragen. Und warum unter der Überschrift "Eklig"?

Das will ich euch sagen. Wenn man gemütlich bei einer Caneca Super Bock sitzt und es nebenan plötzlich kreischt und plätschert und wenn man sich dann umtut, wo denn das Plätschern her kommt und wenn man dann sieht, dass das nicht vom Blumengiessen stammt, sondern von dem Hund, der im 3. Stock auf dem Balkon ausgesperrt ist und man dann sieht, wie das Mädel mit tropfnassen Haaren da steht... dann ist das eklig. Findet ihr nicht?

Und auch das finde ich ein bisschen, wie soll ich sagen, anstrengend. Eine Hand voll Schlüsselsafes auf Hundepiselniveau an der Straßenecke.

Aber vielleicht bin ich da auch etwas eigen. So vom Hygienischen her.

Brew.

Mitten in der Touri Flaniermeile auf eine Craft Bier Klitsche zu stossen, ist nicht alltäglich. Wenn ich denn meine Nase hinein stecke und sehe, die Atmosphäre ist kein bisschen Touri Flaniermeile, sondern ganz klar Craft Bier Klitsche, dann weiss ich, ich habe meine Nase richtig rein gesteckt und hole den Rest von mir nach.(2)

Wie das oft in Craft Bier Klitschen ist, bin ich vom Angebot gleichermassen verzaubert wie überfordert. 23 Biere am Hahn, das ist mir zu viel. Weil die Betreiber der Craft Bier Klitschen das auch wissen, halten sie - nicht exklusiv für mich, so eingebildet bin ich nicht - für den Fall Tasting Trays bereit. Fünf kleine Biere für erschwinglich Geld.

Weil ich in Lissabon weder bayerisches Weißbier, noch irgendwelche US-Experimente verkosten will, bat ich den freundlichen Kellner, doch bitte eine Auswahl regionaler Biere zusammen zu stellen. Und ich wurde nicht enttäuscht.

Ich kann den Laden empfehlen. Ich kann die Biere empfehlen. Dazu empfehle ich eine Ecke Pizza. American Style, mit Chili con Carne und Sour Cream drauf. Etwas gewöhnungsbedürftig aber am Ende gelüstet es doch nach einer zweite Ecke.

vlnr: Red Ale, Hoppy Lager, Porter, IPA, Stout.

Big Brave

Ein Abend in der Galeria Zé dos Bois. Zusammen mit Big Brave. Die Galeria ist ein bisschen das, was es bei uns nicht (mehr) gibt. Hier ein Buchladen, dort eine Terrassenbar. Dazwischen Ausstellungsräume und ein Konzertsaal.

Und just in diesem Konzertsaal fand ich mich zur gleichen Zeit wie Big Brave ein.

Experimental Metal machen die, so habe ich irgendwo gelesen. Das mag ich nicht so stehen lassen. Mir fällt da Deconstruction ein. Also Deconstruction Metal vielleicht. Oder Noise ganz ohne Metal.

Ich weiss ja nicht genau, was der mit seiner Gitarre macht, aber lieb haben tut er sie nicht. Das wirkt mehr wie Sex mit Würgen.

Der Bassist - wenn man ihn so nennen mag - hat das gemacht, was mir immer verboten wurde, er hat seinen Bass auf Erdbeben gestimmt. Und er tut Dinge, frage nicht. Den Stecker ziehen, bei voller Lautstärke, und wieder einstecken, dass es fiept und brummt und koppelt. Mir wurde gesagt, damit macht man viele Dinge kaputt. Und zwar gleichzeitig. Den Verstörker, das Kabel, den Tonabnehmer, einfach alles, was beteiligt ist.

Dazu singt die Sängerin. Und ja, es klingt nach singen. Manchmal ins Schreien abgleitend, aber im großen und ganzen geht das in Richtung singen.

Insgesamt machen das alles sehr konsequent. Das gibt den gelernten Hörgewohnheiten nicht viel zum Festhalten.(3)

Casa de Alentejo

Von aussen sieht dieses Haus sehr unspektakulär aus. Geradezu beschämend profan mit so Kapitalismus-Schnickschnack. Also einem Geldautomaten, der es drauf hat, allein mit seiner Anwesenheit Schönes in Hässliches zu verwandeln.

Hinter dieser Tür jedoch verbirgt sich ein Juwel. Architektonisch, wie kulinarisch. Ein Innenhof mit Brunnen, gesäumt von Balkonen und mit Glas überdacht. Alles im maurischen Stil.

Im ersten Stock ein Restaurant. Spezialitäten aus dem Alentejo werden geboten. Das rentiert sich allemal.

Fado

Ich bekomme es einfach nicht hin. Fado bleibt mir verschlossen. Ich bekomme da keinen Zugang. Bald hätte ich gesagt, wie das eben mit Volksmusik so ist. Die Bayerische ist ja auch nicht für mich gemacht. Aber das stimmt so nicht. Irische Traditionals, da bin ich dabei. Klezmer, Humppa, Polka, ich gehe mit. Aber Fado? Ne. Ich habe es versucht. Live, von Platte und mit Wim Wenders. Klappt nicht. Habe ich keine Synapsen für.

Fahrrad

Nein, Lissabon ist keine Fahrradstadt. Kein bisschen. Um das ganz klar zu machen, werden gerne Treppen eingesetzt, die unmissverständlich sagen "Nein, hier fährst du nicht! Versuch es erst gar nicht."

(1) Und dass mir jetzt keiner mit "aber die Schrannenhalle" kommt. Das ist kein Vergleich.
(2) Brew
(3) [bandcamp.com]: Big Brave