Abt.: Cowboy und Indianer

Knarrenspiele

Die Polizei schiesst einen kleinen Buben mit Spielzeugpistole in der Hand, über den Haufen. Einen kurdischen Buben.

Das Entsetzen ist groß. Hüben wie herüben. In diese Richtung und in die andere. Ein jeder meint, dieses darin zu sehen oder auch etwas ganz anderes.

Natürlich will ich auch etwas sehen und schiebe mich etwas nach vorne. Und während ich mich vorschiebe, schiebe ich auch dieses: Ich habe in meiner Kindheit mit Soldaten gespielt. Diesen kleinen von Airfix. Und mit Panzern von Schuco und Bombern von Revell. Ich habe im Fasching als Cowboy die Pistolen gezogen und als Indianer das Beil geschwungen. Und alles hat seinen Platz gehabt.

Und ich schiebe das hier nach: Es gibt Spielplätze für Jugendliche und Erwachsene, wo sie als Oger aufeinander einschlagen dürfen, sich mit Softairwaffen die Hintern grün und blau ballern können. Es gibt die unterschiedlichsten Vereine und Veranstaltungen, auf denen das Langschwert getragen, der Bogen gespannt, das Katana gezückt werden darf. All das gibt es. Und das aus gutem Grund.

Niemand will, dass die Vorfahrt mit dem Langbogen erstritten wird, der Preis für Brot beim Bäcker mit der Hellebarde ausgehandelt wird. Und es will eben auch niemand, dass Mädchen oder der Rest der Peergroup mit Pistolengefuchtel beeindruckt werden.

Oder so: Waffen und Waffenattrappen haben auf der Straße, in der Öffentlichkeit und in den Händen pubertierender Jünglinge nichts verloren. Gar nichts. Punkt!

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich könnte so manch Spielzeug nicht von Echt unterscheiden. Schon allein, weil es unheimlich viele Varianten von Echt gibt. Und wenn irgendetwas ganz schnell geht, zum Beispiel eine Waffe durchladen, Körperdrehung, Waffe weglegen oder hochziehen und ich müsste entscheiden? Ich denke, ich würde so entscheiden, dass ich auf jeden Fall gesund am Abendbrottisch sitze.

Ich bin mir sicher, dass kein einziger Polizist leichtfertig seine Knarre zieht und Menschen über den Haufen schießt. Kein einziger. Das nagt nämlich lange. Und weil ich mir da so sicher bin, bin ich mir auch sicher, dass da nicht aus rassistischen Motiven gehandelt wurde.

Dabei möchte ich weder verleugnen, noch verharmlosen, dass wir in der Gesellschaft und auch der Polizei ein Problem mit strukturellem und realem Rassismus haben. Das haben wir, keine Frage. Aber deshalb jeder Handlung der Polizei automatisch rassistische Motive unterstellen?

Deswegen auf die Straße gehen? Polizisten Mörder und Faschisten schimpfen? Könnt ihr gerne machen. Macht euch halt nicht sympathisch.