Abt.: Schrubben und Wienern
Brautag im März - 2026
Ich war wieder in der Brauerei und möchte euch teilhaben lassen. Am Brauprozess, nicht am Bier. Bier lässt sich inline schlecht verkosten. Vielleicht schaut ihr auch mal beim Brauen vorbei, dann lasse ich euch gerne auch am Bier teilhaben.
Brauen ist ja eigentlich und vor allem Putzen. Man macht hier was dreckig und muss es wieder sauber machen. Dann macht man da was dreckig und muss es sauber machen. Ich für meinen Teil habe mir vorgenommen, das Sudhaus jedes Mal ein klein weniger - manchmal auch ganz mächtig - sauberer zu hinterlassen, wie ich es vorfinde.
Zum Beispiel den Boden schrubben. Da hat man immer schnell ein Erfolgserlebnis.
Oder Spinnweben von der Decke fegen. Man will ja weder Spinn, noch Weben in seinem Sud haben.
Whirlpool
Die große Kunst beim Whirlpool ist es, in der Mitte den Boden zu sehen, ohne dass es gleichzeitig an den Seiten überschwappt. Diesmal hat es ganz gut geklappt. Mit dem großen Kochlöffel zunächst am Rand die großen Kreise ziehen, bis sich die ganze Würze in Bewegung setzt. Dann ganz, ganz innen wie ein Irrer strudeln. Mal sehen, wie hernach der Trubkegel(*) aussieht. Jetzt aber erst mal ausrotieren lassen.
Das mit dem Whirlpool ist übrigens keine Erfindung der Hobbybrauer. Der wird auch in großen Brauereien gemacht. Die machen das natürlich nicht mit einem Kochlöffel und nicht von Hand, die pumpen die Würze aus einer Pfanne in die andere und versetzen sie dabei in Rotation.
Kleine Hopfenkunde
Wer Tag ein, Tag aus das gleiche Bier braut oder sich den Einkaufszettel von Maische, Malz und mehr erstellen lässt, wird sich nie mit der Herausforderung konfrontiert sehen, am Brautag schnell ein neues Rezept entwerfen zu müssen. Wer sich hingegen darauf verlässt, dass alle Zutaten vorhanden sind... ist manchmal verlassen.
Und das kann dann so aussehen: Hatte ich ein Pils Rezept, von dem ich recht begeistert war. Wollte ich also wieder brauen. Am Brautag... ja ne, der Hopfen, habe ich vergessen, muss ich improvisieren. Was haben wir denn im Kühlschrank. Diamant. Rein damit. Saazer. Rein damit.
Das ist jetzt ein paar Monate her. Das Ergebnis? Ein Pils zum Niederknien.
Als denn wollte ich das Pils zum Niederknien erneut brauen. Kein Diamant, kein Saazer. Ach mei. Muss halt wieder improvisieren. Nehmen wir halt Tettnanger und Mittelfrüh.
Bitter und Aroma
Die wahre Kunst des Brauens liegt im Hopfen. Von dezenter Bitterness eines klaren Hellen bis zur beißenden Bitterkeit manch experimenteller Pilse. Vom zarten Fruchtaroma bis hin zum krachigen Obstsalat. Dafür ist der Hopfen da.
Vom Läutern und von Hexen
Jede Anlage ihre Eigenheit. Jeder Brauer seine Vorlieben. Läuterblech, Läuterring, Läuterhexe.
Ich nutze gerne die Läuterhexe. Ein durchlässiger Spiralschlauch liegt am Boden des Läuterbottichs und dient als Drainage, um die zunehmend klarer werdende Würze aus dem Maische Malz Müsli zu ziehen.
Dabei kommt zunächst recht trübe Brühe, die so lange und immer wieder durch den Treberkuchen(*) gefiltert wird, bis sie klar läuft.
Ist auf den Bildern recht gut zu sehen:
Nachguss oder Anschwänzen
Da im Treberkuchen noch jede Menge Zucker klebt, den die Würze nicht herauslösen kann, wird angeschwänzt. Es wird mit heißem Wasser nachgegossen, bis alle gehaltvollen Bestandteile aus dem Malz heraus gewaschen sind.
Dabei meinen Nachguss und Anschwänzen ein und dasselbe. Der Hobbybrauer sagt Nachguss, der Profi Anschwänzen.
Kühlen
Hat man den Sud in ausgeklügelten Temperaturstufen aufgeheizt und gut gekocht, muss er anschließend und schnell auf Anstelltemperatur(*) gebracht werden. Mit Kühlspirale oder Plattenkühler. Mit Mantelkühlung oder Gegenstromanlage. Oder in Kombination.
In so einer Hobbybrauerei ist das der zeitaufwändigste Vorgang.
Hat man dann die Anstelltemperatur - ein Pils etwa 12 Grad - kommt die Würze zusammen mit der Hefe in den Gärtank und der Brautag ist vorbei.
Nein, ganz vorbei ist er natürlich nicht. Denn jetzt muss erst noch gespült und geschrubbt werden. Ich möchte ja das Sudhaus jedes Mal ein klein wenig sauberer hinterlassen, wie ich es gefunden habe.
(*)Stell dich nicht so an
Hefe erwartet eine bestimmte Temperatur, um in Hochform zu kommen. Die obergärige Hefe fühlt sich bei etwa 20 Grad recht wohl, die untergärige Hefe mag es gerne kühler um die 10 Grad. Das ist die Anstelltemperatur.
(*)Backe, backe Kuchen
Auch wenn er so heißt, der Treberkuchen ist nichts, was man seinen Gästen zum Kaffee reichen sollte. Der Treberkuchen besteht nämlich in erster Linie aus ausgelaugten Spelzen und Malz, schmeckt nach gar nichts und klebt an den Zähnen wie Krill in den Barten des Wals.
(*)Trubkegel
In der Würze schwimmt so allerhand herum. Eiweiß zum Beispiel. Oder der Hopfen. Das machte die Würze trüb. Oder trub, wie der Brauer sagt. Das will man nicht im Bier haben.
(*)Würze
Nach dem Läutern hat man die Würze. Einen malzaromatischen Zuckersirup.