Abt.: Essen und Trinken

Bierreise - Oberösterreich 2026

Bierreise, das hört sich etwas muffig an, ein bisschen nach Pubertät und Junggesellenabschied. Nach Saufen und Lallen.
So, jetzt seid ihr mental auf das Folgende eingestimmt...

Unsere diesjährige Bierreise nach Oberösterreich begann, wen wunderts, mit einem Bier. Und zwar einem Baumgartner Helles am Rieder Hauptplatz.

Baumgartner Helles

Gefährlich. Null Trinkwiderstand. Da haust du einen Kasten weg, das merkst du gar nicht. Frisch, schlank, prickelnd. "Der reife Hochgenuss" ist ein Versprechen, das gehalten wird.

Oder mit anderen Worten, die Bierreise hat vielversprechend angefangen.

Übernachtung in Ried

Unter Biersommeliers ist es Usus, kein schlechtes Wort über ein Bier zu sprechen. Auch wenn es ganz fürchterlich greislig ist. Ebenfalls Usus ist es, kein schlechtes Wort über Kollegen zu sprechen. Auch wenn die Kollegen mit recht unappetitlichen Leuten verkehren. Also spreche ich nicht über die Übernachtung in Ried.

Honigbier

Die Brauerei Ried hat etwas Besonderes im Angebot: Ein Honigbier. Speziell weil ich selbst im Begriff war, ein Honigbier zu brauen, war klar, das muss ich probieren. Aus Interesse, um Maß zu nehmen und natürlich weil es bei einer Bierreise auch darum geht Biere zu probieren.

Hatte ich mir ein Honigbier so vorgestellt? Nicht ganz. In meiner Vorstellung war es recht trocken, mit wenig Süsse, weil der Zucker aus dem Honig komplett vergoren wird. Entsprechend war ich überrascht über ordentlich Restsüsse. Sagt man da noch Restsüsse? Das Bier wirkt wie wenn nach der Gärung noch einmal Honig hinzugegeben wurde. Das ist allerdings reine Spekulation. Jedenfalls erzeugt das vollmundige Bier einen pappigen Mund. Gerade so, als hätte man an einem Löffel Honig genascht. Sehr interessant. Wenn ihr mal in Ried seid, probiert es. Ihr bekommt es unter anderem in der örtlichen Touristeninformation. Natürlich auch in der Brauerei selbst.

Kellergröppe

Ich freue mich immer über die Entdeckung interessanter Wörter. Kellergröppe ist so ein Wort. Einmal in der Welt, möchte es mit Inhalt gefüllt werden, das Wort. So stehe ich denn mitten in der Kellergröppe und erfahre interessante Inhalte zu diesem interessanten Wort.

Der Reiseführer legte einen Besuch in Raab im Innviertel nahe. Weil es dort Raaber Bier gibt und weil es dort die Kellergröppe gibt. Also hin.

Da stehe ich dann erst einmal vor einer Info-Tafel, die sagt, geht jetzt den Hohlweg da lang und du wirst rechts und links Eingänge zu Kellern sehen. So gehe ich den Hohlweg lang und sehe links und rechts Eingänge zu Kellern. So weit, so unspektakulär.

Was selbst einem Laien – also mir – nach und nach dämmert: Der Hohlweg ist von Sand gesäumt. Nicht Sandstein, auch nicht von Sandkastensand oder Dünensand. Von super feinem Sand, der sich über die Jahrtausende so verdichtet hat, dass er selbst weder von Wind noch von heftigen Regengüssen abgetragen wird.

...und schon entlässt mich der Hohlweg ins ebene Gelände. Aha, denke ich. Und: Soso.

Der Hartnäckigkeit meiner Reisegruppe ist es zu verdanken, dass wir nach dem ersten Eindruck Kontakt zu einem kundigen Guide, dem Ernst, bekommen haben. Eigentlich hatte Ernst Wichtigeres zu tun, als Münchner Touristen in die Geheimnisse der Kellergröppe einzuweihen. Die Terrasse wollte betoniert werden. Auf die Drohung hin, wir könnten ihm ja helfen(*), hat er sich für das kleinere Übel entschieden, eine Führung durch die Gröppe.

An dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön an Ernst. Du hast uns eine große Freude bereitet. Behalte deinen Humor und deine Begeisterung.

Nun haben wir Dinge erfahren und gesehen, frag nicht.

Von "Gröppe entspricht Kreppe" über "Weissbauch Fledermäuse" bis hin zur Erklärung, warum das Raaber Bier 6 und nicht 8 Prozent hat und warum man mit "Sakradi" und nicht mit Prost anstößt. Und was das mit Franz Stelzhamer zu tun hat.

Es war eine Führung von etwa einer Stunde anberaumt. Zwei sind es dann geworden. Ernst hat sich von seinen eigenen Geschichten mitreißen lassen und er hat uns mitgerissen.

Warum "Sakradi"? Darum:

Freistadt

Freistadt ist ein pittoreskes kleines mittelalterliches Städtchen. Mit Stadtmauer und Graben drum rum. Mit Gassen und Gässchen. Und allerlei Dingen zum Entdecken. Hier ein kleiner Rundgang.

Brauerei Freistadt

Was an der Brauerei in Freistadt hervorzuheben ist, dass ist ihre Organisations- und Gesellschaftsform. Als "Braucommune" gehört die Brauerei allen Einwohnern... nein, nicht allen Einwohnern, allen Hausbesitzern von Freistadt.

Was an der Brauerei nicht hervorzuheben ist, dass ist das Bier, was sie brauen. Aber darüber hüllt sich der gnädige Biersommelier in vornehmes Schweigen.

Die "Braucommune" von Freistadt ist der lebende Beweis dafür, dass es möglich ist, eine Brauerei auf ganz andere Weise zu führen. Während Brauereien in anderen Gegenden im Besitz großer Konzerne, Familien oder Investoren sind, gehören sie in Freistadt den Einwohnern der Stadt – oder, genauer gesagt, den historischen Gebäuden in der Altstadt. Wer dort ein Haus kauft, erwirbt nicht nur knarzende Dielen und feuchte Gewölbekeller, sondern auch einen Anteil an der Brauerei. Das Haus und das Braurecht sind seit Jahrhunderten untrennbar miteinander verbunden - genau wie Weißwurst und süßer Senf.

Diese Anteile werden nicht in Aktien oder Prozenten gemessen, sondern in einer wunderbar altmodischen Einheit namens „Eimer“. Das klingt vielleicht so, als würde man Regenwasser messen, doch in Wirklichkeit bestimmt diese Einheit, wem welcher Anteil an der Brauereigenossenschaft gehört.

Dieses System, das direkt aus dem Mittelalter zu stammen scheint, ist keineswegs eine Art Freilichtmuseum. Die Brauereigenossenschaft produziert jährlich rund 160.000 Hektoliter Bier und beweist damit, dass das jahrhundertealte Prinzip des Gemeinschaftsgeistes mit moderner Brautechnik und wirtschaftlichem Erfolg vereinbar ist.

= Chatty =

Bierbuschenschank Eder

Habt ihr schon einmal von einer Buschenschank gehört? Ich nicht. Und plötzlich sitze ich in einer. Mitten in Hopfenfeldern.

Buschenschank und Heuriger sind synonym. Ein temporärer oder regelmäßiger Ausschank von Most, Bier, Wein oder Schnapps. Dazu werden Kleinigkeiten gereicht. Ein Jausenbrettl zum Beispiel.

Beim Mostheurigen bin ich schon gelegentlich gesessen. In einer Bier-Buschenschank noch nicht.

Ein klassischer Buschenschank darf rechtlich streng nur eigene Produkte und kalte Gerichte anbieten. Und die eigenen Produkte beim Eder können sich sehen lassen. Gut, die Speisen habe ich tatsächlich nur gesehen, sahen aber lecker aus. Die Getränke hingegen... da möchte ich Golding und Malling besonders hervor heben.

In der Bierbuschenschank Eder gibt es Bier. Sagt schon der Name. Selbstgebraut. Ein feines Bier.

Golding

Kräuternoten steigen in die Nase. Ein malzig kräftiger Körper erfreut Zunge und Gaumen. Frisch prickelt sich das Bier von der Zungenspitze bis zur Kehle. Bittere Kräuter hallen einige Zeit nach. Ich mag das ja.

Malling Weißbier

Selten ein Weißbier im Glas gehabt, dass so ausgeprägt nach Nelke schmeckt. Ui. Auch Banane ist vorhanden. Vollmundig mit einer angenehmen Perlage auf der Zungenspitze.

Schloss Weinberg / Kefermarkt

Jetzt kommen wir auch schon zum Ende. Zu unserer letzten Station, dem Schloss Weinberg in Kefermarkt.

Auf einem Hügel thront das Schloss über dem Ort. Neben dem Schloss das Gasthaus mit eigener Brauerei. Gerne hätte ich mich mit dem Brauer unterhalten. Als Lohnbrauer hatte er am Wochenende jedoch besseres vor, als sich mit daher gelaufenen Münchner Bierenthusiasten an den Tisch zu setzen. Schade, denn das Dunkle fand mein Gefallen. Das Helle... ich fürchte, da ist was bei der Lagerung daneben gegangen.

(*) Ernst, bitte entschuldige diese kleine Schwindelei...