Abt.: Organisierte Verbrecher gehen nicht in die Schule
Arrest für Schwänzer
Notorische Schulschwänzer landen hierzulande schon einmal im Arrest. Das ist nicht ganz so wie Knast, aber fast. Eingesperrt.
In Deutschland herrscht eine Schulpflicht. Im großen und ganzen halte ich das für ein geeignetes Werkzeug um einer Verdummung der Gesellschaft entgegen zu wirken. Wo der Staat an vielen seinen Aufgaben und Zielen - Gesundheitssystem, Kita Plätze, Rente, um nur wenige zu nennen - bekommt er das mit der Schule grundsätzlich und flächendeckend hin.
Ob das Schulsystem dabei zeitgemäß, inhaltlich zielführend und von der Infrastruktur hinreichend ausgestattet ist, steht auf einem anderen Blatt.
Wenn sich Eltern über diese Pflicht hinweg setzen - zum Beispiel weil ihnen ein günstiger Urlaub wichtiger ist als Bildung - dann kann ich das auf Grund der allgemeinen Gleichheit nicht für gut befinden. Halte es entsprechend für geboten, den Eltern recht eindringlich ins Brevier zu diktieren, dass sie sich daran zu halten haben. Wo kämen wir denn hin...
Wenn sich nun Kinder vor, während oder nach der Pubertät dem Zwang zum Unterricht entziehen, dann liegen dem meist weniger banale und eigen nütze Dinge zugrunde. Vielleicht ist es Liebe. Vielleicht wirft einen die Pubertät gerade ganz besonders schlimm. Dann fallen mir noch eine Hand voll Gründe rund um psychoaktive Substanzen ein. Geltungssucht, falsche Freunde, psychische Ausnahmesituation. Ein Elternhaus, das jeder Beschreibung spottet. Oder schlicht Angst vor der Latein Klausur.
Was all diesen Gründen gemein ist, ein Arrest ist nicht das Mittel der Wahl. Ein Arrest beseitigt keine Ursachen. In allen Fällen wird er sie verschlimmern.
Eine Gesellschaft, die den Problemen ihres Nachwuchses mit Repression und damit maximalem Unverständnis meint begegnen zu müssen, ist eine armselige Gesellschaft. Wer dort mit Härte arbeitet, wo Verständnis, Mitgefühl und Unterstützung bitter nötig sind, stellt sich und seinem System ein Armutszeugnis aus.
Glaubt mir, ich weiß wovon ich spreche. Ich habe vor vielen Jahren einen Freund verloren, der statt der helfenden Hand, die er so bitter nötig gehabt hätte, Verweise, Nachsitzen und Hausarrest bekommen hat. Er hat es nicht ausgehalten. Er ist zerbrochen.
Wollen wir unsere Kinder, unsere Enkel brechen? Dann nur weiter so.
[sueddeutsche.de]: Hunderte Schulschwänzer 2025 in Arrest