Abt.: Glaubensfragen

Mein Bad Religion Paradoxon

Hin und wieder muss ich Vorurteilen, die meine Person betreffen, entschieden entgegenwirken. Deshalb möchte ich hiermit ein Missverständnis zum Thema Bad Religion ein für alle Mal gerade rücken.

Man möchte meinen, ich wäre ein großer Bad Religion Fan. Ob des prägnanten Namens oder noch viel mehr ob des Einflusses, den diese Band auf mein Leben gehabt hat.

Doch ich muss euch enttäuschen. Dem ist nicht so. Das liegt nicht daran, dass deren Einfluss ein verheerender gewesen wäre und auch nicht, weil dieser eine Song nicht gut gewesen wäre.

Aber der Reihe nach.

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich damals Bad Religion überhaupt kannte. War auch egal, wenn irgendwo in erreichbarer Nähe eine Punk Band spielte, dann ist man da eben hin.

Bad Religion in der Kulturstation. Also bin ich da hin. Ich weiß nicht genau, was ich vorher für einer war, hinterher war ich auf jeden Fall ein ganz anderer. Nicht weil mich Bad Religion irgendwie beeindruckt hätten. Nein, ich kann mich nicht einmal erinnern, sie da überhaupt gesehen zu haben. Viel mehr deshalb, weil ich an diesem Abend Teil eines Teams wurde, dass Woche für Woche abgefahrene oder angesagte Punk-, Hardcore-, wat weiß ich für Bands begleiten und erleben durfte(1).

Und Bad Religion?

Die haben einen echt guten Song geschrieben. Und sie haben diesen Song auf ganz vielen Platten immer wieder mit ganz kleinen Abwandlungen gecovert. Sorry, das klingt alles gleich. Das klingt nach gepflegter Langeweile.

Seither ist das etwa so:
Da läuft Bad Religion.
Da erzählt jemand was über Bad Religion.
Da spielen Bad Religion nebenan.

Und ich so:
Fein, Bad Religion. Darf ich jetzt das Sudoku fertig machen?

Aber irgendwie klebt mir die Band am Schuh. Immer wieder werde ich auf sie angesprochen. Und ob ich nicht mit auf ein Konzert von denen wolle. Nein! Will ich nicht. Ich finde die live noch langweiliger, als auf Platte.

Jetzt habt ihr artig zu Ende gelesen. Das habt ihr euch jetzt verdient:

(1) Das möchte ich noch etwas weiter ausführen, weil es eine nette kleine Anekdote ist.

Wer die Kulturstation nicht kennt: Die Kulturstation war vor allem ein langer Gang an dessen Ende sich ein kleiner Konzertraum befand. In den Konzertraum passten etwa 200 Leute rein, dann war der voll. So voll, da konntest du nicht umfallen. In den Gang passten noch mal 100 Leute, dann war auch der voll. Irgendwo auf dem Gang gab es eine Tür zur Küche mit einer kleinen Durchreiche. Durch diese Durchreiche wurde Bier verkauft. Das klappt bei einem Konzert, wo sich Band und Publikum beim Vornamen kennen ganz gut. Das klappt bei einem mittelmäßig besuchten Konzert nur noch so mittelmäßig. Bei einem gut besuchten Konzert... frage nicht.

Bei Bad Religion war es dann etwa so: Von den 300 Leuten, die man maximal in die Kulturstation quetschen kann, waren wenigstens 600 gekommen. Da hat nichts mehr funktioniert.

Im allgemeinen Geschiebe und Gedränge bin ich irgendwann an besagter Durchreiche vorbeigeschoben worden. Da ging die Tür auf, jemand packte mich und zog mich durch die Tür in die Küche. "Wir schaffen das nicht, du musst uns helfen." und schon stand ich an der Durchreiche und reichte im Akkord Bier durch. Und merkte, nein, das war wirklich nicht zu schaffen.

Kurzer Hand habe ich die Küchenfenster geöffnet und dort Bier verkauft. Also eigentlich habe ich an die durstige Meute Flasche um Flasche raus gegeben oder geworfen ohne genau darauf zu achten, an wen oder wer was bestellt hat. Und irgendwie ist ebenso planlos Geld vom Publikum in die Kasse gewandert. Oder mehr so durch das Fenster in die Küche geflogen. Irgendwie hat am Ende die Kasse gepasst. Also irgendwie.

[Update]: Ich habe gerade gesehen, dass ich das Thema vor ein paar Jahren schon einmal und mit sehr ähnlichem Wortlaut erzählt habe... mit dem Fokus mehr auf Kulturstation, als auf Bad Religion.