Abt.: Sozial daneben

Ganztagsbetreuung

Das Textverständnis der bundesdeutschen Grundschulkinder ist also unter aller Sau. Hat Käpten Iglu gesagt. Quatsch, hat die Iglu Studie an den Tag gezerrt. In Folge soll nun jedes Kind in der Grundschule einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung haben.

So ein Gesetz lässt sich am grünen Tisch geschmeidig aus dem Ärmel schütteln. Wie gezinkte Karten in der Pokerrunde.

Ein paar Fragen hätte ich da noch.

Wie sieht das denn mit dem pädagogischen Personal aus? Kann mir das jemand sagen? Ist es denn nicht so, dass es jetzt schon an allen Ecken und Enden an ErzieherInnen mangelt? Das wird sich nicht von heute auf morgen ändern. Auch nicht, wenn alle SPD Fanboys und Girls auf den Balkon gehen und klatschen.

Ist das vielleicht so ein zahnloses Tigergesetz, dass sich zwar schön liest, dass aber trotz Rechtsanspruch nicht eingeklagt werden kann. So ein soll-heisst-muss-wenn-kann und wenn eben nicht kann, dann eben nicht.

Oder steckt da was im Busch? Ganz da hinten zwischen Bundesfreiwilligendienst und allgemeiner Dienstpflicht. Quasi eine Zwangsverpflichtung von ErzieherInnen im Ruhestand. Zwangsumschulung von Langzeitarbeitslosen vielleicht.

Vielleicht aber sollen auch vermehrt ErzieherInnen im fernen Ausland angeworben werden. Sicher ist es zu begrüßen, wenn Kinder Kontakt zu fremden Kulturen bekommen. Davon können sie eigentlich nicht genug bekommen. Ich möchte jetzt niemandem zu nahe treten... ob das dem Ziel, den Kindern ein besseres Textverständnis zu eröffnen, bin mir nicht ganz sicher, ob das der richtige Weg ist.

Und dann auch dieses, ist das jetzt wirklich gut für die Kids? Hat die mal jemand gefragt? Oder wenigstens jemanden, der sich noch an seine Kindheit erinnert? Ich habe da nämlich so eine Erinnerung, in der nimmt das freie, bisweilen von Erwachsenen völlig unbeaufsichtigte Spielen einen erheblich großen Raum ein. Egal ob das Kriegsspielerei mit Modellpanzern, Versteckspiel im Materiallager des MVV oder Parcourslaufen im Olympiadorf war.

Weiß nicht, ob es darauf Antworten gibt. Ich habe den leisen Verdacht, dass nicht. Dass da vielmehr blinder Aktionismus wütet, weil das seit dem Kaiserreich konsequent vernachlässigte Schulsystem das hervor bringt, was ein vernachlässigtes Schulsystem eben so hervor bringt: Kinder die mangels Spaß am Lernen und mangels fortschrittlich pädagogischem Konzept eben einfach keinen Bock auf Textverständnis haben. Das lässt sich weder mit mehr Drill, noch mit mehr Betreuung um der Betreuung willen ändern.

Da haben sie jetzt die Granaten nicht mehr nur im Verkehrsministerium sitzen, sondern jetzt auch im Bildungsministerium. Liebe Leute da an der Regierung, denkt doch mal für 50 Pfennig nach. Und wenn ihr merkt, dass ihr nichts besser machen könnt, dann macht es doch bitte wenigstens nicht noch schlimmer.

[Update]: Ich habe gerade einen Blick in die Ankündigung des Familienministeriums geworfen.

Was muss ich sagen... ich habe direkt Schnappatmung gekriegt. Denn da musste ich dieses lesen:

Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern

Wenn sich also die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht mit Verbesserungen auf der "Beruf"-Seite erreichen lassen, dann eben auf der "Familien"-Seite.

Also wenn es mit fairen Löhnen, familiengerechten Arbeitszeiten nicht klappt, dann sollen die Eltern ihre Kinder einfach in die Betreuung abschieben.

Ehrlich - und da muss ich jetzt Kraftausdrücke bemühen - euch haben sie doch in den Kopf geschissen... und vergessen umzurühren.

Quellen